Es gibt Abstiege, die kommen überraschend. Und es gibt Abstiege, die wirken wie das Ende eines langen Experiments. Der des VfL Wolfsburg gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Denn jahrelang galt der Klub als Paradebeispiel dafür, dass man mit ausreichend Geld eigentlich nichts dem Zufall überlassen kann. Ein finanzstarker Mutterkonzern im Rücken, der für ein modernes Stadion und hervorragende Trainingsbedingungen sorgt und Millionen für Transfers bereitstellt. Eigentlich fehlte nur noch das Dauerabo für die Meisterschale.
Stattdessen fährt der Fahrstuhl nun nach unten.
Der VfL hat mit seinem Abstieg eindrucksvoll bewiesen, dass Geld zwar vieles kaufen kann. Doch nicht zu kaufen sind Leidenschaft und eine funktionierende Mannschaft. Man könnte fast meinen, Volkswagen habe versehentlich den Rückwärtsgang eingelegt und erst Wochen später gemerkt, dass es gar nicht mehr Richtung Europa, sondern direkt in die 2. Liga ging.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Konstanz, mit der Wolfsburg über Jahre Mittelmaß verwaltet hat. Trainer kamen und gingen, Sportdirektoren wechselten, Spieler wurden verpflichtet und wieder verkauft. Nur eines blieb erstaunlich zuverlässig: die Erkenntnis, dass man aus den vorhandenen Möglichkeiten regelmäßig weniger machte, als eigentlich möglich gewesen wäre.
Nun wartet die 2. Liga
Statt in Fußballtempel wie in München oder Dortmund geht es nun in Stadien, in denen Fußball oft noch nach Bratwurst, Flutlicht und ehrlicher Emotion riecht. Vielleicht ist das nicht die schlechteste Erfahrung für einen Klub, der sich zuletzt allzu häufig wie ein Unternehmen mit angeschlossener Fußballabteilung präsentierte.
Denn ironischerweise könnte der Abstieg eine Chance sein. Weniger Hochglanz, weniger Selbstverständlichkeit, dafür wieder etwas Demut. Vielleicht entdeckt der VfL dort Tugenden wieder, die sich weder in Transferbilanzen noch in Geschäftsberichten finden lassen.
Bis dahin bleibt jedoch die Erkenntnis, dass ausgerechnet einer der finanzstärksten Vereine Deutschlands den wohl teuersten Umweg in den deutschen Profifußball genommen hat. Die Bundesliga verliert einen Werksklub, die 2. Liga gewinnt ihren vermutlich prominentesten Neuzugang.
Und irgendwo wird man bei Volkswagen gerade darüber nachdenken, wo es ein verläßliches Navigationssystem für den Wiederaufstieg gibt.
