Ein Viertligist schenkt Heidenheim fünf Tore ein

Die erste Runde des DFB-Pokals 2026/27 ist fast Geschichte. 16 der Bundesligisten, die gespielt haben, sind weitergekommen. Nur der FC Bayern München und Borussia Dortmund müssen noch ran. Aber auch sie werden wohl nicht scheitern. Lange sah es danach aus, als würden die ganz großen Überraschungen diesmal ausbleiben. Bis der SSV Jeddeloh II kam.

Denn der Regionalligist schlug den 1. FC Heidenheim mit 5:2. Nicht im Elfmeterschießen. Nicht mit einem glücklichen 1:0 nach 90 Minuten Abwehrschlacht. Sondern mit fünf Toren gegen einen Verein, der noch vor wenigen Monaten in der Bundesliga spielte. Der DFB selbst spricht auf seiner Webseite von einer Pokalsensation, Heidenheim von einer „auch in der Höhe absolut verdienten“ Niederlage.

Zwei Vereine aus verschiedenen Fußballwelten

Schon die Ausgangslage macht deutlich, wie außergewöhnlich dieses Ergebnis ist. Der 1. FC Heidenheim kommt gerade aus der Bundesliga. 2024/25 spielte der Verein sogar noch international in der Conference League. Trainer Frank Schmidt prägt den Club seit 2007 und führte ihn aus dem Amateurfußball bis in die Bundesliga.

Auf der anderen Seite steht der SSV Jeddeloh II. Der Verein aus dem niedersächsischen Ammerland spielt in der Regionalliga Nord, also in der vierten Spielklasse. Jeddeloh II ist keine Stadt, sondern ein Ortsteil der Gemeinde Edewecht. Das Pokalspiel musste deshalb im rund 15 Kilometer entfernten Oldenburger Marschwegstadion ausgetragen werden.

Aber Zwischen einem Bundesliga-Absteiger mit Profikader und einem Regionalligisten liegen wirtschaftlich und strukturell Welten. Im Kader des Regionalligisten gibt es Spieler, die neben dem Fußball arbeiten oder studieren.

Und dann gewinnt der Kleine nicht irgendwie. Er gewinnt 5:2.

Aus einem 0:1 wird ein 5:1

Dabei begann die Partie zunächst so, wie man es erwarten durfte. Heidenheim ging bereits in der 12. Minute durch Yannik Wagner in Führung. Doch schon eine Minute später glich Kasra Ghawilu Krasniqi aus. Nach einem Eigentor von Jan Schöppner und einem Treffer von Haris Hyseni führte Jeddeloh bereits nach 29 Minuten mit 3:1.

Heidenheim bekam nach der Pause die große Gelegenheit zurückzukommen, doch Moritz Onken hielt einen Strafstoß von Budu Zivzivadze. Und so wurde aus der aus der Überraschung eine Demütigung. Denn Hyseni traf per Strafstoß zum 4:1, Tim Janßen erhöhte zwei Minuten später auf 5:1. Erst in der 89. Minute gelang Mikkel Kaufmann noch das 5:2. Dann war das Spiel zu Ende.

Vor 4.600 Zuschauern hatte der Viertligist den Bundesliga-Absteiger damit nicht nur aus dem Pokal geworfen. Er hatte ihn regelrecht auseinandergenommen. Genau das macht diesen Pokalerfolg so bemerkenswert. Dass ein Regionalligist einen Zweitligisten schlägt, gehört zu den Geschichten, für die der DFB-Pokal berühmt ist. Dass ein Regionalligist einen Bundesliga-Absteiger mit fünf Toren nach Hause schickt, ist eine andere Kategorie.

Besonders schön wird die Geschichte durch einen Blick zurück.

Denn diese Begegnung gab es schon einmal. In der ersten Runde des DFB-Pokals 2018/19 empfing Jeddeloh II ebenfalls den 1. FC Heidenheim. Damals gewann der Favorit erwartungsgemäß. Das Ergebnis: 2:5.

Acht Jahre später traffen sich beide wieder in der ersten Runde. Wieder im Oldenburger Marschwegstadion. Wieder fallen sieben Tore. Nur diesmal heißt es: SSV Jeddeloh II 5, 1. FC Heidenheim 2.

Manchmal braucht eine gute Fußballgeschichte eben acht Jahre, bis sie zu Ende erzählt ist.